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150: 200 Jahre Karl Marx - das Alte im Neuen; das Neue im Alten

2018 | Inhalt | Editorial | Abstracts | Leseproben: 1 & 2

Titel Heft 150
  • Dezember 2018
  • 156 Seiten
  • EUR 15,00 / SFr
  • ISBN 3-89691-020-2
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Heinz Sünker
Karl Marx heute
Kapitalanalyse und politisch-gesellschaftliche Perspektiven

Seit der letzten Krise des Kapitalismus, die bislang ja immer nur die vorletzte war, ist Marx wieder 'in' - in Feuilletons und Gesellschaftsanalysen. Bei marxistischen Analytikern*innen findet sich zudem die These, dass die Analyse von Marx nie zutreffender als heute war, denn jetzt lasse sich - besser denn je - erkennen, was es mit den Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht - auch vor dem Hintergrund der These von den "varieties of capitalism" -, auf sich habe. Wichtig dabei ist, so der Ausgangs- wie Endpunkt von Heinz Sünker, die Marxschen Analysen zu Philosophie, Politik und politischer Ökonomie in ihrer Gesamtheit über seine Lebensspanne, also zu Praxisphilosophie und Kritik der politischen Ökonomie, ernst zu nehmen. Dies meint, Kapitalismus als spezifische Form der Bestimmung des Verhältnisses von Politik und Ökonomie zu verstehen. 'Vorgelagert' ist dem die These vom historisch besonderen Vergesellschaftungsmodus, damit der Strukturierung des gesellschaftlichen Zusammenhangs sowie der Positionierung der Einzelnen in gesellschaftlichen Kontexten, denen die kapitalistische Formbestimmtheit eingeschrieben ist, mit Konsequenzen - in der Folge von Vermarktung und Warenförmigkeit - für Strukturen, konkrete Lebensbedingungen und Organisationen. Erkennbar wird zudem die Konsequenz des Versuchs der Kapitalisierung aller Lebensverhältnisse. Deutlich wird damit zugleich die Notwendigkeit, die Überwindung von Kapitalismus als emanzipatorisches gesellschaftliches Projekt in der Gestalt einer Gesellschaft der Freien und Gleichen zu denken. Leseprobe

Friedel Schütte
Subjektivität im Zeitalter der digitalen Maschinerie
Marx revisit

Marx in Erinnerung rufen sowie das Verhältnis von Kapital und Arbeit im Kontext einer disparaten 'Zukunft der Arbeit’ in der 'globalen Fabrik' zu verorten, ist Intention des Beitrags von Friedhelm Schütte. Nicht die objektive Entwicklung steht im Vordergrund, sondern die subjektive - die lebendige Seite der Arbeitskraft und dessen Vergesellschaftung. Um die Konstitution von Subjektivität diskursiv anzugehen und theoretisch im Marx-Diskurs einzubetten, wird als Einstieg eine Marx-Philologie vorgenommen, um die einseitige Marx-Engels-Rezeption nach dem 1. Weltkrieg zu erhellen. Im Zentrum des Beitrag steht zum einen das Marx' Maschinen-Kapitel (MEW Bd. 23), zum anderen die 'digitale Aufrüstung' der Welt. In den Blick gerät somit die digitale 'Maschinerie' auf der Basis 'immaterieller' Arbeit und global-gesellschaftlicher Arbeitsteilung. Die Frage nach der immanenten Rationalität von Gesellschaft und Arbeitsvermögen, m.a.W. der Grenze der Konstitution von Subjektivität wird abschließend mit einem 'Diskurs der Wünsche' konfrontiert. Leseprobe

Silvia Kontos
Herrschaftsverhältnisse
Zusammenhänge von Klassenherrschaft, Sexismus, Rassismus

ilvia Kontos Beitrag zielt auf den 'Eigensinn des Reproduktionsbereichs' in der Absicht, einen 'Begriff vom Ineinander des Unvereinbaren' zu diskutieren. In vier Etappen wird der Kontext von Klassenherrschaft, Sexismus und Rassismus abgeschritten und die darin eingelassen Herrschaftsverhältnisse diskursiv aufgezeigt. In den Blick genommen wird erstens eine historische Genese des feministischen Post-68er-Diskurses und dessen einzelne Etappen, zweitens eine konzise Rezeptionsgeschichte feministisches Theoriearbeit (u.a. Hegemonie-, Regulationstheorie), die sich im Kern des Eigensinns von Reproduktionsarbeit vergewissert und eine Kritik am Subjektbegriff impliziert. Die 'Interferenz' von Herrschaftsverhältnissen ist damit ebenso adressiert wie das 'Problem einer übergreifenden Perspektive'. Im Zentrum jedoch steht drittens - historisch und tagespolitisch (Me-Too-Bewegung) grundiert - die Reflexion feministischer Begrifflichkeiten und theoretischer Zusammenhänge sowohl in der Arena der Politik als auch im Diskurs des Feminismus selbst. Die in Politik und Theorie aufscheinende Widersprüchlichkeit und Unschärfe von Geschlechterpolitik nimmt Kontos abschließend zum Anlass, eine strukturell neue Bündnispolitik einzuklagen.

Horst Müller
Die Besteuerung des Kapitals und die sozial-ökonomischen Infrastrukturen als Schlüssel einer Politik des Sozialen und gesellschaftlicher Emanzipation

Die Programmatik des Beitrags von Horst Müller wird bestimmt von Argumenten zur 'inneren Dialektik und Zukunft der Gesellschaft'. Müller fokussiert hiermit den klassischen Sozialstaat, die aktuelle Sozialpolitik und in kritischer Absicht den 'Sozialkapitalismus'. In den Mittelpunkt rücken damit die gängigen 'Reproduktionsschemata', aber auch Frage des 'gesellschaftlichen Werthaushalts' sowie namentlich das Finanz-, Steuer- und Justizsystem. Unter Rückgriff auf Marx wird eine 'Wert-, Reproduktions- und Transformationsanalytik' vorgestellt, die nach verborgenen Alternativen Ausschau hält. Ein interdisziplinärer Ansatz wird hierbei verfolgt. Argumentation und Thesen münden in der Forderung nach einer 'positiv orientierten und operativen Sozioökonomie'. Diese zielt einerseits auf einen Umbau 'sozialstaatlicher Institutionalitäten und Leistungen' i.S. einer Politik des Sozialen, m.a.W. auf eine weitreichende Generalüberholung des bundesdeutschen Sozialstaates und dessen disparaten Regulierungsmodi, andererseits auf neue Kooperationen, u.a. zwischen Politik und Wissenschaft zur Umsetzung eines 'integralen praxiswissenschaftlichen Paradigmas'.

Ulrich Duchrow
Brauchen wir eine neue oder andere Aufklärung?
Oder: Was der Club of Rome von Karl Marx hätte lernen können

Der neue Bericht des Club of Rome enthält eine dramatische Beschreibung der Situation der Gesellschaft und der Erde. Es droht der Systemkollaps. Darum fordert der Bericht eine "neue Aufklärung", die die reduktionistische Aufklärung der Moderne ablöst. Dabei scheut sie aber vor der präzisen Analyse des Kapitalismus zurück. Hier hätte Marx helfen können - im Verbund mit den Teilen der Religionsgemeinschaften, besonders der christlichen, die auf der internationalen Ebene den imperialen Kapitalismus formell verworfen haben.

Tove Soiland
Soziale Reproduktion und Neue Landnahme
ein feministischer Zugang

Der Beitrag von Tove Soiland greift den Diskurs um die Formen 'primitiver Akkumulation' auf, um in Anschluss an David Harvey das 'Theorem fortdauernder Landnahmen' im Feld sozialer Reproduktion zu diskutieren. Erklärter Anspruch des Beitrags ist es, zum einen eine 'Erweiterung der marxistischen Akkumulationstheorie' vorzulegen, zum anderen die von Rosa Luxemburg angestoßene Debatte zur erweiterten Akkumulation im neuen Kontext zu theoretisieren sowie für die Externalisierung der Kosten gesellschaftlicher Reproduktion zu sensibilisieren. Zu diesem Zweck wird die jüngere Luxemburg-Rezeption vorgestellt, namentlich die Lesart der Bielefelder Soziologinnen, die Ausdehnung des Reproduktionssektors im Rahmen des Postfordismus dargelegt sowie die 'neue Landnahme' am Beispiel von Care-Arbeit und Care-Ökonomie (allg. personenbezogene Dienstleistungen) problematisiert und schließlich viertens ein Fazit gezogen, das Luxemburgs Imperialismustheorie mit der 'Artikulation unterschiedlicher Produktionsweisen' im Zentrum als theoretisch zentral erachtet und zur Basis eines feministischen Ansatzes sozialer Reproduktion erklärt.

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