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151 : Kritische Solidaritäten

2019 | Inhalt | Editorial | Abstracts | Leseprobe

Titelseite Heft 151
  • März 2019
  •  ??? Seiten
  • EUR 15,00 / SFr
  • ISBN 3-89691-021-9

Albert Scherr
Solidarität
Eine veraltete Formel oder ein immer noch aktuelles Grundprinzip emanzipatorischer Praxis?

In seinem den Themenschwerpunkt einleitendem Beitrag geht Albert Scherr der Frage nach, wie die Idee der Solidarität so gefasst werden kann, dass sie nicht nur Traditionen beschwört, sondern als eine zeitgemäße und emanzipatorische Form der Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Verhältnissen begriffen werden kann. Dabei geht es ihm nicht allein um das voraussetzungsvolle Projekt von Solidarität im Sinne eines solchen emanzipatorischen politischen Begriffs. Vielmehr fordert er eine kritische Rückbesinnung auf das universalistische Moment von Solidarität als humaner Fähigkeit ein. Leseprobe

Joachim Weber
Kritik der Solidarität

Im Anschluss setzt sich Joachim Weber kritisch mit verschiedenen Begriffen und Verständnissen von Solidarität auseinander. So meint Solidarität in einer sozialen Marktwirtschaft etwas anderes, als in der katholischen Soziallehre, ebenso in familiären und kollektiven Zusammenhängen oder in gesellschaftsorganischen. Auch lässt sich eine kämpferische von einer politisch qualifizierten Solidarität unterscheiden.

Marcel Schmidt
Metaphilosophische Soziale Arbeit als solidarisches Mandat für Residuen

Deutet Weber am Schluss seines Beitrages die Konsequenzen für Soziale Arbeit an, arbeitet Marcel Schmidt dies im Anschluss an ihn unter dem Begriff "metaphilosophischer Sozialer Arbeit" als ein Modell gleichermaßen gesellschaftskritisch-solidarischer, wie subjektive Verwirklichung ermöglichender Professionalität aus. Dabei leitet er aus Lefebvres konkreter Utopie eines Rechts auf Urbanität ein "solidarisches Mandat für Residuen" professioneller Sozialer Arbeit ab.

Michael May
Sozialpädagogische Kritik der Lebensformen?
Zu den Maßstäben von Kritik und Solidarität in der Sozialen Arbeit

Ist darin schon das Verhältnis von Solidarität und Kritik mit angesprochen, widmet sich der Beitrag von Michael May diesem explizit. Ausgehend von in jüngerer Zeit lauter werdenden Forderungen nach einer deutlich kritischeren Positionierung Sozialer Arbeit auch gegenüber Lebensformen ihrer Adressat*innen, die sich z.B. xenophobisch oder antisemitisch artikulieren, fragt dieser nach den Maßstäben einer solchen Kritik. In Auseinandersetzung mit dem Capability Approach, der solche Maßstäbe zu operationalisieren beansprucht, plädiert er dafür, "dass Solidarität und Kritik in der Sozialen Arbeit sich nicht auf konkrete gesellschaftliche Individuen richten, sondern jeweils auf Vermögen bzw. functionings, die aufgrund mangelnder capabilities oder sogar herrschaftlicher Blockierungen oder Enteignungen sich bisher nicht assoziierend verwirklichen konnten".

Helga Cremer-Schäfer
Kritik & Freundlichkeit

Helga Cremer-Schäfer greift in ihrem Beitrag Bertolt Brechts Begriff der "Freundlichkeit" auf, der in der Wissenschaft, wie auch der Sozialen Arbeit im Unterschied zu Parteilichkeit und Solidarität sehr selten als eine "Haltung" oder Form der Genossenschaft von Ungleichen thematisiert wird. Sie legt dar, wie dieser Begriff von Freundlichkeit nicht nur Kritik institutionalisierter Herrschaft voraussetzt, sondern zugleich auch Bedingung dafür ist, dass in "finsteren Zeiten" wissenschaftliches und alltägliches Befreiungswissen sich nicht verflüchtigt. In dieser Weise sucht sie Freundlichkeit als ein Arbeitsbündnis zu verstehen, das einigermaßen vernünftige Interaktionen zwischen Ungleichen ermöglicht.

Nicoletta Rapetti
Solidarität in Zeiten institutionalisierter Selbstbestimmung
Gedanken von halb drinnen und halb draußen

Zum Abschluss des Themenschwerpunktes setzt sich Nicoletta Rapetti mit Problemen gegenseitiger Solidarisierung unter behinderten Menschen auseinander und wie diese aktuell ver- bzw. behindert werden und dadurch ihren gesellschaftskritischen und emanzipatorischen Stachel verlieren. Kritisch wird hinterfragt, ob es überhaupt wünschenswert ist, drin zu sein in der Gesellschaft und nicht mehr an ihren Rändern, wenn damit auch das Gemeinschaftsgefüge untereinander mitsamt der politischen Kraft zerbricht. Zudem wird der Frage nachgegangen, wie Solidarität von anderen kommen kann, wenn doch schon innerhalb von benachteiligten Gruppen nur schwer Solidarität herzustellen ist.

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