Unser aktuelles Heft

Betroffenheit

Heft 181

In aktuellen gesellschaftlichen Debatten wird zunehmend über die Bedeutung von Betroffenheit diskutiert. Während manche Positionen mit Betroffenheit ein anderes und besseres Verständnis aufgrund eigener Erfahrungen von gesellschaftlicher Unterdrückung, Diskriminierung und Verdeckung verbinden, stellen andere Positionen heraus, dass Betroffenheit zu einer vulnerablen Gesellschaft führe, in der die zunehmende staatliche Vorsorge auf Kosten individueller Freiheitsrechte gehe. Im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich wird unter Stichworten wie „First-Hand Knowledge“, „Lived Experience“ oder „Experten durch Erfahrung“ die Einbeziehung von Betroffenheit angemahnt. Doch nicht nur die direkte Betroffenheit, über die Menschen aufgrund von Gewalterfahrungen, einer chronischen Krankheit oder einer anderen institutionellen Diskriminierungserfahrung verfügen, rückt in den Fokus, sondern auch die Betroffenheit von Fachkräften. Außerdem ergeben sich Anschlüsse an Konzepte wie User Involvement, Peer-basierte oder partizipative Ansätze, die eine epistemische Reziprozität zwischen Professionellen und Hilfenehmer:innen einfordern. Das geplante Heft setzt sich mit der Relevanz von Betroffenheit für den Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich auseinander und diskutiert, inwiefern Betroffenheit als Not- oder auch (Gegen-)Gemeinschaft verstanden werden kann und sich Praktiken der (Für-)Sorge herausbilden. Gefragt wird auch, welche Ausschlüsse mit Betroffenheit einhergehen können und wer für wen sprechen kann.