Unser aktuelles Heft

Betroffenheit

Heft 181

In aktuellen gesellschaftlichen Debatten wird zunehmend über die Bedeutung von Betroffenheit diskutiert. Während manche Positionen mit Betroffenheit ein anderes und besseres Verständnis aufgrund eigener Erfahrungen von gesellschaftlicher Unterdrückung, Diskriminierung und Verdeckung verbinden, stellen andere Positionen heraus, dass Betroffenheit zu einer vulnerablen Gesellschaft führe, in der die zunehmende staatliche Vorsorge auf Kosten individueller Freiheitsrechte gehe. Im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich wird unter Stichworten wie „First-Hand Knowledge“, „Lived Experience“ oder „Experten durch Erfahrung“ die Einbeziehung von Betroffenheit angemahnt. Doch nicht nur die direkte Betroffenheit, über die Menschen aufgrund von Gewalterfahrungen, einer chronischen Krankheit oder einer anderen institutionellen Diskriminierungserfahrung verfügen, rückt in den Fokus, sondern auch die Betroffenheit von Fachkräften. Außerdem ergeben sich Anschlüsse an Konzepte wie User Involvement, Peer-basierte oder partizipative Ansätze, die eine epistemische Reziprozität zwischen Professionellen und Hilfenehmer:innen einfordern. Das geplante Heft setzt sich mit der Relevanz von Betroffenheit für den Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich auseinander und diskutiert, inwiefern Betroffenheit als Not- oder auch (Gegen-)Gemeinschaft verstanden werden kann und sich Praktiken der (Für-)Sorge herausbilden. Gefragt wird auch, welche Ausschlüsse mit Betroffenheit einhergehen können und wer für wen sprechen kann.

Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse

Heft 180

Die ökologische Krise ist eingewoben in multiple soziale, d.h. sozio-ökonomische Krisen. Das Soziale der ökologischen Krise lässt sich über den Begriff der gesellschaftlichen Naturverhältnisse bestimmen. Gemeint ist die gesellschaftliche Ausgestaltung und Regulierung der Beziehungen der Menschen zu ihrer äußeren wie auch ihrer jeweils inneren Natur, die in der Moderne vorwiegend in einem herrschaftsförmigen Zugriff auf diese geformt wurden und werden. Zugleich impliziert der Begriff aber nicht nur eine analytische Bestandsaufnahme der vorfindlichen gesellschaftlichen Naturverhältnisse, sondern auch die Aufforderung, sie emanzipatorisch um- bzw. von Grund auf neuzugestalten, wie etwa aktuelle geschlechtertheoretische Begriffskonturen deutlich machen. Das Heft will gesellschaftstheoretische Perspektiven auf die Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse und ihre transformative Überwindung stärker in die Diskussionen um eine pädagogische wie politische Arbeit am Sozialen einbringen und in diesem Sinne die Analyse der sozialen Dimension der ökologischen Krise weiterentwickeln. Es umfasst theoretische Beiträge zu Krisenanalysen und empirische Studien zu Transformationsfolgen für Praxis und Adressat:innen.